Angkor What??

4 04 2010

…sorry für die lange Funkstille, aber irgendwie war mir auch nicht nach schreiben…vielleicht merkts ja auch keiner…kann ja nicht einsehen, wieviele Leute regelmäßig unseren Blog besuchen…daher schreibe ich auch ein wenig für mich, um das erlebte nochmal zu verarbeiten, bzw. um mit 90 in meinem Schaukelstuhl auf der Veranda meine Milch schlürfend alte Zeiten Revue passieren zu lassen…also alte Aufzeichnungen nochmals lesend…stehen geblieben waren wir ja in Siem Reap…das liegt für mich jetzt auch schon gedanklich etwas zurück…Zeit ist hier ein sehr dehnbarere Begriff…kurzum…einchecken durften wir im Golden Banana, das bisher schönste Hostel unserer Reise…Kambodscha ist komischerweise auch das bisher teuerste Land des bisherigen Trips…sogar teurer als Thailand obwohl entwicklungstechnisch hier noch einiges im argen liegt…alles wird in Dollar bezahlt und nicht mit den einheimischen Riels…das ruft in einem ersteinmal das Gefühl unterschiedlicher Preise für Einheimische und Touristen hervor, was ja irgendwie ok ist aber durch die verschiedene Währung wird nochmals so eine Barriere geschaffen…egal…erster Tag Nationalmuseum mit allen Hintergründen zu den Tempeln von Angkor und ihrer Geschichte…waren auch ehrlich gesagt noch etwas gerädert durch den vorangegangenen Trip…trotzdem hielten wir uns in den Gemäuern über 4 Stunden auf…was insgesamt eher an dem gutgemachten Museum als an unserer allgemeinen Lethargie lag…abends noch kurz auif den „alten Markt“, mehr war einfach nicht drinne…zweiter Tag wurde Angkor Wat mit einem gemieteten Drahtesel unsicher gemacht…so sind wir bestimmt an die 40 Kilometer geradelt und haben an einem Tag die meisten großen Sehenswürdigkeiten abgegrast…ich will jetzt hier nicht alle Einzelheiten breit treten, denn das sprengt nicht nur den Rahmen, sondern könnte das Gesehene nicht repräsentativ wiedergeben…irgendwie denkt man ja zu wissen was einen so erwartet…Angkor Wat ist ja fast jedem ein Begriff…doch dem ganzen mal wieder real gegenüber zu stehen…hmmm….schwierig…auf jedenfall hatten wir einen schönen Tag…das wir am ersten Tag so fleissig waren, hatte im nachhinein betrachtet auch etwas Gutes…denn am folgenden Tag lag ich dann mit Magenkrämpfen und Fieber im Bett…komischerweise hatte der Spuk aber nach 24 Stunden sein Ende…und so konnten wir am dritten Tag nochmal die Tour etwas ausdehnen…leider hatten wir nicht so gute Fahrräder, so dass wir uns für die Besichtigung eines etwas weiter entfernten Tempels ein TukTuk mieteten…lmorgens mussten wir bereits das Hotel wechseln, da für unser Zimmer eine Reservierung vorlag…abends essen beim Koreaner…Grüße an unseren koreanischen Bekanntschaften…das Essen war hervorragend…kleine komplett frittierte Fische inklusive…wussten gar nicht, dass diese auch zu den kulinarischen Delikatessen der koreanischen Küche gehören…vorallem ließsen sich diese nicht sofort identifizieren, so dass uns erst der etwas meeresfruchtige Geschmack stutzig machte…naja…jetzt haben wir noch keine Insekten gegessen, aber zumindest schon mal ganzte Fische mit Haut und Haaren, bzw mit Flossen und Schuppen…am nächsten Tag ging es dann recht luxuriös weiter nach Phnom Penh…Ankunft im Boddhi Tree Umma…recht kolonialistische das Ganze…trotzdem eine Oase in dem Moloch als das sich Phnom Penh herausstellte…irgendwie ganz anders als Siem Reap…nicht in Watte gepackt, sondern frei Schnauze gerade heraus…was vielleicht auch das Schachbrettmuster der Strassenarchitektur erklärt…als Berliner mutet das Ganze ja vielleicht ganz heimelich oder heimelig an…aber irgendwie steckte in dem Ganzen doch ein Hauch zuviel Grundaggressivität…was sich natürlich auch mit der großen Diskrepanz zwischen arm und reich erklären ließe…ein wenig zu häufig wurde man auf die Möglichkeit des TukTuk oder Moto fahrens hingewisen, zu oft starrten einem traurige Kinderaugen an, verlangten nach Geld oder Essen und zu oft musste man dies ablehnen…so zumindest instruiert von allen Seiten, um dem ewigen Kreislauf des Bettelns einhalt zu gebieten…schon geschriebn klingt das für mich arrogant und westlich übervorteilt…oder zu gutmenschlich…die Killing Fields werden einem wie ein Vergnügungspark angepriesen und so weiss man nicht recht ob der 20jährige TukTuk Fahrer denn wirklich weiss wo er uns da gerade hinfährt…kennt der die grausame Geschichte seines Landes, die ja eigentlich noch so frisch ist, dass sie an jeder Ecke noch erfahrbar ist? War der jemals im Toul Sleng, also dem „Konzentrationslager“ der roten Khmer und hat sich die Unmenschlichkeit vor Augen geführt? Da lag das schöne und das grausame dieses Landes für uns zu dicht beieinander, so dass wir irgendwie verwirrt auf Kambodscha zurückblicken…nach den ganzen Massakerbildern die einem im Hinterkopf rumspuken kann man ja schlecht sagen…schönes Land, super Urlaub…aber vielleicht nochmal aufrüttelnd und umso mehr lebensbejahend…ich wills ja kaum aussprechen, aber wir habens schon gut…am letzten Tag Phnom Penh haben wir uns dann auch noch mal ebenso lebensbejahend in ein Luxushotel geschmuggelt, den Pool genossen und die Seele baumeln lassen…ohne schlechtes Gewissen…oder doch…zumindest sitz ich jetzt hier in Bangkok…wieder nach langer und ungemütlicher Busfahrt…und bin nicht fähig das erlebte in ganzen und zusammenhängenden Sätzen wiederzugeben…zusammenfassend kann man sagen, das wir beide in den letzten 2 Wochen viel gesehen und gelernt haben…haben dabei nicht nur das Land, sondern irgenwie auch die Zeit bereist….alte Kulturen wurden ausgegraben, wir haben die Steine berührt und beschritten…haben viel über den Hinduismus und Buddhismus direkt und indirekt lernen dürfen…wissen wozu der Mensch fähig sein kann im positiven und im negativen Sinne…und wollen wiederkommen…in 2 Tagen fliegen wir auf die Philippinen…Ticket ist gebucht…mehr wissen wir nicht…und ich zitiere: Der Sinn meines Erwachsenseins besteht darin, den Träumen meiner Kindheit hinterher zu reisen…gute Nacht



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1 Antwort zu “Angkor What??”

  • Horst Schroeder sagt:

    Hallo, Ihr beiden Vagabunden,
    einen lieben Gruss auf die Philippinen, wo Ihr dort auch immer seid, wir haben vor ca. 15 Jahren ein paar Wochen die Insel Palawan genossen.
    Wir waren auf Reisen und seit gestern nun wieder in HH. Habe soeben mit Interesse diesen Bericht und vor allen Dingen die feinfuehligen Kommentare gelesen. Erinnerungen an unsere vielen Asienreisen werden wach.
    Geniesst weiterhin Eure Reise – denn das kann Euch keiner mehr nehmen.
    Deinen Abschlusssatz, lieber Bjoern, fand ich besonders beeindruckend.
    Gruss aus HH von Uschi und Horst

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