…fuck mich nisch ab…is mein Leben…

10 08 2010

…wir haben ein neues Lebens- und Reisemotto…literarisch wertvoll und definitiv in der Bundesliga meiner Lieblingsweisheiten…bringt es doch die ganze Sache auf den Punkt und trifft den Nagel auf den Kopf…dementsprechend sollte man türkischen Sonderschul-Absolventen aus dem Rheinland mit einem Vorstrafenregister von hier bis nach Britz (und das ist lang, denn wir sind ja gerade auf den Fijis) häufiger einen Stift in die Hand drücken…oder halt kölnischen Pädagogen mit sozialer Ader auf einer kleinen fijianischen Insel begegnen…solche haben ein unglaubliches Gedächtnis was die Wiedergabe solcher Weisheiten angeht…nicht das wir als Kinderärzte aus dem Wedding mit Lebensschwerpunkt Kreuzberg-Neukölln nicht vorgebildet werden…aber man lernt ja nie aus…

und jetzt kommt die beste Überleitung seit langem, denn „aus“ bringt mich doch gleich wieder zurück nach AUStralien…wenn ich mich dabei nicht mal selbst übertroffen habe…

…also kommt mal mit und begibt euch auf eine Zeitreise zurück nach Alice Springs…nach 3 Tagen hatten wir genug Einsamkeit getankt und es war definitiv ein Tiefpunkt unserer bisherigen Reise…emotional gesehen…denn auch wenn Alice Springs inmitten von einem großen Nichts steckt, ist dieses Nichts doch wunderschön…macht es doch manchmal die Augen auf für Kleinigkeiten und lässt in der sonstigen Masse untergehendes hervortreten…nach 2 vollen Tagen in der Hauptstadt der Rednecks begaben wir uns am 3. Tag zur Übernahme unseres neuen Campers…erneut hatten wir uns eine Rückführung organisiert und warteten gespannt auf das Haus auf Rädern, welches in 5 Tagen in Cairns an der Nordostküste wieder abgegeben werden sollte…Herzschlag ansteigend, Schweissperlen auf der Stirn und um die Ecke bog eine Villa auf Rädern…Küche, Bad, zwei Doppelbetten, Essbereich, TV, Radio und Soundanlage inbegriffen…doch gleichzeitig machte uns die Größe Sorgen, denn ein solches Gefährt muss erstmal wieder heil abgeliefert werden…also entschieden wir uns für eine „no worries“ Versicherung und konnten somit unbesorgt dem Sonnenuntergang entgegen reiten…doch schon nach wenigen Metern sollte diese Reise unterbrochen werden, um zwei Galliern auf ihrem Weg durchs Outback den Weg zu weisen…unglaublicherweise konnten diese beiden Reisenden aus dem frankophilem Einzugsgebiet Europas auch nicht einen zusammenhängenden Satz in Englisch hervorbringen…so dass meine eigene Unfähigkeit mir wieder vor Augen geführt wurde, was meine Französischkenntnisse angeht…im Endeffekt erfreuten wir uns der Zeichensprache, holten unser „Point It“ aus dem Rucksack und konnten so die wichtigsten Informationen austauschen…per Anhalter durch die Galaxis bekam für mich somit einen ganz neuen Sinn und so schüttelten wir nur den Kopf, wie man es ernsthaft fertig bringt ohne Englischkenntnisse mit 18 bzw. 19 durchs Outback zu trampen…mutig oder naiv bleibt dem Betrachter überlassen…erster Zwischenstop unserer gemeinsamen Reise sollte Wycliffe Well sein…ein Ort mit einer Tankstelle die wie so oft gleichzeitig des Zentrum des abendlichen Amusements darstellt und welcher neben seinem breiten Angebot an Biersorten als Hotspot für UFO Sichtungen gepriesen wird…wir haben keines gesehen, aber die lokale Bevölkerung hat sich möglicherweise mit einen extraterristischen Wesen vergnügt oder wurde das Opfer ominöser Experimente…zumindest lässt ihre Phsiognomie und Verhalten darauf schließen…was sie jetzt aber nicht unbedingt unterscheidet vom Rest Australiens…also Flucht gen Norden und Sonnenuntergang an den Devils Marbles die im untergehendem Sonnenlicht wirklich wie Teufels Felsen leuchten…so schliefen wir zu viert wie die Waltons in unserem Luxuscamper ein und machten uns am nächsten Tag früh auf den Weg, um einige Kilometer hinter uns zu bringen…am Ende blieb unser Tacho übrigens ungefähr bei 1700 Kilometern stehen…und wenn man sich vorstellt, dass man mit einem solchen Gefährt 80 Kilometer pro Stunde im Durchschnitt schrubbt, kann man sich ausrechen, wieviele Stunden ICH (Rike hatte ja nach wie vor Ihren Führerschein in Berlin sicher aufbewahrt) am Tage das Gaspedal bedienen durfte…abends lieferten wir die beiden liebgewonnenen Kinder in Mt. Isa ab…ein Ort der eigentlich keiner Erwähnung Bedarf…größte ich glaube Kohlemine Australiens…wer sich dafür interessiert…Rike und ich fuhren nach Abgabe der beiden Sprößlinge noch 70 Kilometer weiter, um auf einem kleinen Rastplatz am Straßenrand zu nächtigen…morgens schnell weiter Richtung Norden…Endpunkt Karumba…direkt an der Nordküste liegend nach langer Fahrt durchs nun mittlerweile etwas langweilige Outback, sollte uns als Belohnung einer der schönsten Sonnenuntergänge Australiens erwarten…leider verbrachten wir wieder den ganzen Tag hinterm Steuer, abgesehen von kleinen Zwischenstops…da auch uns und sogar Rike das Kommunikationsmaterial ausging, holte ich meine Ipod heraus und versüsste mir das Fahren mit Bernhard Schlinks Vorleser…ohne Werbezwecke im Hinterkopf kann ich überraschenderweise dieses nur empfehlen…vielleicht liegt es aber auch daran, dass man insgeheim doch etwas Heimweh hat und sich durch die indirekte, literarische Beschäftigung mit der Heimat sich das eigene Trostpflaster gönnt…pünktlich zum Sonnenuntergang kamen wir in Karumba an…hätten aber auch nichts verpasst, wenn wir einigen Minuten zu spät gekommen wären…manchmal glaube ich ja, das einige Orte Reiseführern Geld bezahlen, damit sie überhaupt erwähnt werden…da Karumba nichts zu bieten hat ausser die Ausrichtung gen Westen (vielleicht mal abgesehen von dem größten Salzwasskrokodil welches je gefangen wurde mit einer stattlichen Länge von …) wird halt der Sonnenuntergang gelobt…Karumba muss viel bezahlt haben…Ohlendorf oder Schwichtenberg steht ja auch nicht im Lonely Planet (oder doch?)…trotzdem bieten solche Abstecher dann aber doch Erlebnisse, die man so nicht missen möchte…und so verbrachten wir die Nacht auf einem Campingplatz mit 200 Senioren…neben Fischbarbecue kamen wir in den Genuss sozusagen folkloristischer Darbietungen…australisches Lliedgut, einheimische Tänze und natürlich rassistische Aboriginiwitze…alles inklusive…schnell weiter Richtung Cairns und nach weiteren 500 Kilometern durften wir nun endlich das Outback hinter uns lassen und erreichten neuseeländisch anmutendes Gelände westlich von Cairns in den Atherton Tablelands…eine letzte Nacht abseits der Straße und auf nach Cairns…

…am Ankunftstag musste zunächst viel organisiert werden…morgens früher Aufbruch vom Rastplatz, denn es mussten noch ca. 150 Kilometer bewältigt werden…Zwischenstop in einem Vorort von Cairns um in Erfahrung zu bringen wo A der Maui Camper abgegeben werden muss und B der neue Juicy Camper abgeholt werden kann…nach Ankunft in Cairns stand der besagte (Tim würde jetzt sagen „froschfotzen“) grüner Pflitzer noch nicht bereit…so dass wir uns zunächst zur zentralen Information begaben, um für den nächsten Tag einen Tauchgang am Great Barrier Reef zu buchen…die Auswahl schien unüberwindlich, doch im Endeffekt kann man nichts falsch machen…alle bieten eine Massenabfertigung zu unterschiedlichen Preisen…selbst die Luxusanbieter können diesem Touristenansturm wohl kaum entkommen…doch nach langem hin und her wussten wir wem wir unser hart verdientes Geld übergeben…zurück zu Maui…unkomplizierte Abgabe der Villa und Übernahme der neuen Hütte…trotz Upgrade des eigentlich gebuchten Campers konnte man diesen dann im Vergleich eher nur als Holzhütte auf Rädern bezeichnen…doch man gewöhnt sich an alles und ich zumindest fühlte mich nach 1-2 Tagen wie zu Hause…seltsam manchmal wie schnell man eine Stabilität in einem solchen Leben dann schnell als „zu Hause“ wahrnimmt…auch vielleicht Hilferufe der Seele die sich nach einer Basis sehnt…ich habe während dieser Reise bisher eigentlich selten an zu Hause gedacht…nicht weil ich es nicht misse, aber vielleicht weil wir auch keines mehr haben…würde das finanzielle einen nicht irgendwann nach Hause zwingen, wäre ich durchaus offen für weitere 8 Monate….das Internet macht es auch viel zu einfach mit der Heimat in Kontakt zu bleiben, und so ist das Gefühl doch eher an einer langen Nabelschnur zu hängen ohne sie jemals zu durchschneiden….ob das jetzt gut oder schlecht ist kann ich nicht sagen…kurzum: grün, wendig und überschaubar mit einem Penthouse auf dem Dach, Küche im Kofferraum und Wohnzimmer inklusive DVD Player auf dem Rücksitz…unser neues Eigenheim für die letzten 12 Tage in Australien…

…am nächsten Tag ging es dann auf die gebuchte Tour zum Great Barrier Reef… Rike und ich hatten 3 Tauchgänge gebucht…ich hatte mich natürlich vorher informiert über die Möglichkeit eines Zusammentreffens mit submarinen Raubtieren…hierbei kursieren im Internet und unter den Reisenden selbst, Gerüchte und Legenden über giftige Seeschlangen, hervorschießende Moränen und natürlich dem obligatorischen Angriff des weißen Hais auf nichts ahnende Taucher…nicht das ich solchen Geschichten glauben schenken würde, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste…das Tauchermesser konnte ich mir gerade noch so verkneifen und währen ich mit der Angst kämpfte, kämpften 50 % der Crew mit aufkeimender Seekrankheit Rike inklusive….Ankunft am Riff und mal wieder atmen unter Wasser…einen Hai haben wir nicht gesehen, dafür aber 2 riesige Schildkröten…doch wir durften feststellen, dass wir mit den Philippinen schon einen guten Fang gemacht haben…da ist es wohl eher die Größe des Riffs die begeistern darf…

…am nächsten Tag sollte unser neues Gefährt dann erstmals auf seine Langstreckentauglichkeit getestet werden und so machten wir uns auf Richtung Mission Beach…bekannt for Cassowaries (Art Emus auf LSD) und langen gewunden Stränden mit Regenwald direkt anbei…Cassowaries haben wir nicht gesehen uns aber ein wenig von den Strapazen der zurückliegenden Tage erholen können…mehr als einen 4 stündigen Trek am Strand entlang durch den Dschungel sich windend inklusive kurzen Zusammentreffen mit der ersten Schlange haben wir nicht geschafft…die nächste Sehenswürdigkeit wartete auf uns, und so ging es nach 2 Nächten weiter Richtung Whitsundays…

Ankunft Airlie Beach am Nachmittag…wir hatten uns eigentlich auf der Fahrt für einen Tagestrip zu den Whitsundays entschieden…einer kleinen Inselgruppe vor der Ostküste Australiens berühmt für seine weißen, Silikat haltigen Strände und mehrtägige Segeltrips durch das türkisblaue Wasser…das Budget ließ eigentlich nicht mehr zu und auch die Zeit wurde knapp…doch Nepper, Schlepper, Bauernfäner und ein Lächeln einer blonden Touristenberaterin reichte aus und schon befanden wir uns am nächsten Tag auf einem kleinen Segelbott mit 15 anderen Mitreisenden wieder….lustig ist das je nach Erwartung des Reisenden das entsprechende positiv unterstützt wird…während uns nach einer entspannten Segeltour war, wurden unseren dänischen Mitreisenden die große Partysause auf hoher See versprochen…im Endeffekt trafen wir uns alle in der Mitte und so waren die Tage zwar etwas wettertechnisch durchwachsen doch trotzdem erlebnisreich und wunderschön….die Nächte verbrachte ich zwar meistens auf Deck aufgrund monotoner, rhythmischer Geräusche aus den Tiefen der Koje unseres irischen Mitreisenden….hätte lieber gleiche aus der Koje des französischen Pärchens gehört, aber leider straft die Beschreibung dem geneigten Leser Lügen und selbige Geräusche kamen aus den Untiefen des Schlundes…am 2. Tag besuchten wir den pittoresken und auf allen Postkarten und Reisführern abgebildeten Whitehaven Beach…hier quälte sich die Sonne dann auch einmal durch die Wolken und beglückte uns mit sonnigen Stunden am schneeweißem Strand…am 3. Tag ging es zurück und ich durfte mich direkt wieder hinters Lenkrad begeben…denn nun hatte die Realität uns wieder eingeholt und die Zeit drückte…die Linie zwischen Urlauber und Traveller wird immer deutlicher gezogen….

…nicht erwähnenswert aber für die Statitistik verbrachten wir eine Nacht in Rockhampton, um am nächsten Tag Rainbow Beach an der Sunshine Coast zu erreichen…diese sollte Ausgangspunkt für unsere Fraser Island Erkundung werden und nun hatten wir keine andere Option als eine Tagestour…fast hätte wir auch dies nicht unternommen, da erneut finanzieller Druck sich bemerkbar machte….was hätten wir verpasst….es mag vielleicht schon aufgefallen sein, dass diese Zeilen nicht mit vollem Eenthusiasmus in die Tasten gehauen werden…das mag daran liegen, dass Australien auf der Bestenliste der bisher bereisten Länder eher auf den hinteren Plätzen rangiert….das liegt nicht unbedingt am Land an sich oder den Leuten, vielleicht vielmehr an unserer allgemeinen Reisestimmung….trotzdem ist das Klientel ein anderes, unsere Vorstellung des Umherziehens abweichend und die kleinen Erlebnisse mit Einheimischen ernüchternd….insgesamt war mir vieles zu aufgesetzt und häufig waren Erlebnisse nicht echt…eher so wie ein Cafe bei Starbucks oder ein Hähnchen bei KFC…manchmal hat man Lust darauf, aber nach Genuss des Ganzen geht es einem nicht besser…indifferente Stimmung….Fraser Island war zwar ähnlich ausgelatscht doch wirklich unglaublich….das lag vielleicht auch an den Lichtverhältnissen des Tages…vorhergesagt waren Blitzgewitter…morgens sah auch alles noch danach aus…doch bereits beim Übersetzen mit dem Boot zog sich der Himmel auf….trotzdem lag weiterhin etwas leicht schlieriges in der Luft und so erwartete man hinter jeder Ecke eine Fatamorgana…fast ein Hitzeflackern…uns eröffnete sich hiermit ein ganz neuer Blick auf die Möglichkeiten, die man hätte sollte das Portemonnaie das hergeben…Allradantrieb bis in den Horiszont und abends campen am Lagerfeuer mit dem Dingo nebenan und dem frisch gefangene Fisch über selbigem…damit schloss sich für mich das Kapitel Australien und ich konnte mit den letzten 5 Wochen meinen Frieden finden…die letzten 2 Tage verbarchten wir im „Steve ihm seinem Zoo“, den Glass House Mountains und Brisbane…erwähnenswert ist vielleicht, dass Rike und ich in Brisbane noch beim Friseur waren und Rike danach aussah wie Wolfgang Petry…wir wollten ja schick sein für die Fijis…

1. August Flug nach Nadi, Ankunft und Übernachtung in der Aquarius Lodge…morgens direkt aufs Boot und ab dort begann der Südseetraum…nach obligatorischer Übergabe des Frühstücks an die Götter des Ozeans durch Rike landeten wir nach 5 Stunden auf Nacula im Blue Lagoon…BULA!!…abendliche Kava-Zeremonie und Ukulele Musik am Strand….das Bild entspricht dem Südseetraum…doch irgendwie erneut eine ganz andere Welt als in den letzten Monaten….kein Tag muss geplant werden, Essen wird eine zubereitet nur schlafen muss man selbst…wir sind in einem Resort und nicht auf den Fijis…aber das ist uns egal…wir brauchen das jetzt….ich lese…Rike hört Ipod…Ausflug zum Dorf….Kinder singen, Erwachsene tanzen in landestypischer Kleidung zu landestypischen Klängen…Rike wird vom Dorfverrückten zum tanzen aufgefordert (können sich Verrückte untereinander erkennen, egal aus welchen Ecken der Erde sie stammen?)…Rike lernt weben und ich lerne Zitate von deutschtürkischen Sonderschülern…hier schliesst sich der Kreis und momentan sind wir im Transit zwischen Fiji und Chile erneut in Neuseeland…alles fühlt sich ein bisschen wie Transit an, auch die zurückliegenden Wochen…noch eine Stunde dann beginnt das Boarding…neues Leben!