…and the beat goes on…
11 05 2010…warum will Janosch eigentlich nach Panama??…Warum wollten wir eigentlich weg von „zu Hause“…weil da ist es doch am schönsten? Einmal auf Palawan und ihr habt kein zu Hause mehr …weg von der Kirchturmspitze, rein ins Getümmel…auf nach Palawan…das erste Mal führt sich diese Reise wie Urlaub an…oder je nachdem was man unter Urlaub versteht…aber will man Sonne, Strand, Meer…dann findet man es hier…daneben hat Palawan aber noch soviel mehr zu bieten…unterirdisch verlaufene Flüsse, Berge, Urwald…kaum zu glauben, dass dies die ehemalige „Lepra Insel“ des Landes war…aber vielleicht befand sie sich deshalb so im Dornröschenschlaf…und wollte der Tourismus hier auch mal Fuss fassen, so stolperte 2002 über fundamentalistische Moslems oder deren Trittbrettfahrer, die auf Palawan 2 oder 3 Westler entführten um einen von denen bei nicht bezahltem Lösegeld eine Kopf kürzer zu machen…so strauchelte die Insel mehr als das sie ins nächste Jahrtausend sprinten konnte…denn die Massen blieben fern…doch langsam beginnt sie wieder zu atmen und zu leben…Verbindungen werden wieder reanimiert…es bildet sich eine Infrastruktur, welche aber nicht das Mass überschreitet…doch mal wieder Kassette einlegen und zurückspulen…Sagada hat uns in die weite Welt geschickt und so mussten wir auf eigenen Füssen stehend weiter ziehen…irgendwie bereitete uns Manila Kopfzerbrechen…selbst die Flipininos rieten uns ab auch nur einen Tag mehr als nötig in ihrer Hauptstadt zu verbringen…nehmt kein Essen von Mitreisenden an, insbesondere keine mit K.O.-Tropfen präparierten Bonbons…steigt niemals in Taxis ohne die Rückbank zu checken…geht nicht dort hin…tut nicht jenes, vermeidet dieses…Paranoia? Wir hatten ja viel gelesen, aber aus dem Mund uns jetzt so vertrauter Gesichter? Was sich wirklich schwierig gestalte, war zu einer christlichen Uhrzeit in diesem so wohl gepriesenen Ort anzukommen…das hielten wir für die halbe Miete, wollten wir doch überleben und vielleicht auch noch mit Ipod und Laptop im Gepäck…also verließen wir Sagada um 4:30 Uhr in der Nacht, um über das zuvor schon viel „gelobte“ Baguio nach Manila zu reisen…14 Stunden Busfahrt und wir hatten es geschafft…so gut es ging tarnten wir uns als Filipinos, doch rote Haare, Sommersprossen, sowie Rucksack und Fjällraven Hose sind nicht landestypische Erkennungsmerkmale…also schnell von einem Vehikel ins nächste um kaum erkannt im Hotel zu landen…nach Ankunft mussten wir erstmal Luft holen, nahmen die Scheuklappen ab und sahen vielleicht durch unser naives Auge eine lebendige, etwas chaotische Großstadt mit zwei Gesichtern…moderne Malls in zum himmelstrebenden Hochhäusern gefüllt mit lachenden, gut aussehenden und wahrscheinlich wohl situierten Filipinos auf der einen Seite und heruntergekommene, Leid geplagte, meist noch viel zu junge Gesichter auf der anderen Seite…erneute Prostitution an jeder Ecke, wobei auch hier uns das eine oder andere Gesicht viel zu jung erschien…trotzdem war Manila weit weg von dem Image, dass wir uns vorher gemalt hatten bzw. was uns gezeichnet wurde und so verbrachten wir einen viel zu kurzen Tage in dieses doch aufgeregten Metropole…erneuter Flug mit Cebu Pacific und nach einer Stunde landeten wir auf der beschriebenen Trauminsel…der erste Eindruck ließ dies jedoch nicht vermuten, denn so schön Puerto Princesa als Hauptstadt der Insel auch sein mag so ist es doch gegen all andere Orte auf dieser Insel chancenlos und hinkt weit hinterher…auch ein „auf die Straße Müll werfen“ Verbot mit saftigen Strafen à la Singapur mochte daran nicht viel ändern…doch das wussten wir ja alles zu diesem Zeitpunkt noch nicht…unsere Unterkunft war eine kleine Travelleroase mit ebenso bescheuerten wie freundlichen Gestalten…“Banwa“ mitten eher im Nierenbereich von Puerto Princesa denn das Herz schlug eher woanders auch wenn es hier eher so vor sich hinpocherte ohne erkennbaren Rhythmus…Rike tappelte schon den ganzen abend von einem Fuß auf den anderen machte sich doch Aufregung in ihr breit vor der ihr gestellten Aufgabe…denn ein Tauchschein musste her…haben wir jetzt schon so viel schönes an der Oberfläche gesehen, so verbarg sich doch noch eine ganz andere Welt unter der selbigen…also Taucherbrille auf, Schnorchel rein nochmal tief Luft holen über Wasser um dann zum ersten Mal selbiges unter Wasser zu vollführen…das geschah alles am ersten Tag noch in den wohligen Gefilden eines Pools…erst am nächsten Tag ging es in die salzigen Gefilde und so war uns beiden doch etwas mulmig uns rückwärts vom Boot in die in Gedanken haiverseuchten Fluten zu stürzen um dann nicht nur wie am ersten Tag einen Meter unter zu tauchen, sondern uns bis zu 12 Meter hinunter zu gehen,,,das hört sich immer erstmal nicht so tief an, doch sitzt man zum ersten Mal allein auf dem Meeresgrund, kniend zwischen Fischen und Korallen Gleichgewicht suchend mit dem Blick nach oben zu seiner Partnerin und dem philippinischen Tauchlehrer Romel, die man beide nur schemenhaft erkennt etwas geblendet durch die Sonnenstrahlen die weit aufgefächert die ersten Meter durchdringen so mag man vor seinen geistigen Auge vielleicht erkennen, dass dies atemberaubend ist, ohne dass man sich bisher überhaupt umgeschaut hat…das erste was wir aber gelernt haben ist das atemraubend keine Option ist, also brav weiter ein und ausatmen und zum ersten Mal die Flossen in Bewegung setzen und sich auf das einlassen was uns durch TV und Bildern doch bekannt aber doch so fremd erscheint…Romel erwiess sich hierbei als Türöffner zu einer neuen Welt als genau richtiger Schlüsselkeeper und so konnte er auch Rike die Angst nehmen und so verbrachten wir fast vier Tage zumindest in Gedanken mehr unter als über Wasser, denn auch nach den erfolgten Tauchgängen mussten wir uns noch weiter mit der Theorie beschäftigen, um am letzten Tag unser ersehntes Zertifikat in den Händen zu halten…also Sachen gepackt um die meisten davon zurückzulassen…denn leicht bepackt reist es sich im wahrsten Sinne des Wortes leichter und so ging es verrückt weiter nach Coco Loco…ein eher karibisch anmutender kleiner Sandhaufen an der Nordostküste von Palawan…hier sollte es neben Essen, Schlafen, Lesen und selbiges in jeglicher Kombination nichts weiteres geben….das ließ sich auch mehr als gut aushalten…doch die Franzosen machten uns einen strich durch die Rechnung und so trieb uns auch unser schlechtes Gewissen wieder unter Wasser…so traf man auf diesem Part der Reise auf eine ganz andere Gruppe von Urlaubern deren Aussortierung mal wieder über den Preis des Spektakels stattfand…denn die Tage und Nächte auf diesem Eiland waren die bisher für uns teuersten doch für die Franzosen die man dort antraf wahrscheinlich die bis dato billigsten…so lief man sich genau in der Mitte über den Weg und wie sich nachher herausstellte nicht nur einmal sonder öfter auf dieser Reise…jedenfalls machte uns der eine dieser Baskenmützenträger nicht nur auf die kulinarischen Vorzüge der Unterwasserwelt aufmerksam und so ging es doch ein paar Schritte weiter zum Tauchshop…eigentümlicherweise wurde wir in norddeutscher Manier nahezu wortlos oder karg begrüßt…was daran lag, dass sich hier ein Exemplar aus diesen Gefilden niedergelassen hatte der seit mehr als 7 Jahren das Riff vor seiner Haustür hegt und pflegt wie seinen eigene Garten und jeden Stein und jedes Getier kennt und wirklich liebt….nachdem es nach wenig Kommunikation also wieder unter Wasser ging wurde bei selbigem Tauchmeister wohl ein Hebel im Kopf umgelegt und so sprudelten die Worte nach über 70 minütigem Tauchgang nur so aus ihm heraus…merke: kann ein Norddeutscher nicht reden, sondern nur mit Zeichensprache kommunizieren, so reagiert er trotzig und versucht das ganze mit einem Wortschwall zu kompensieren sobald er die Gelegenheit dazu bekommt….dieser Schwall gestaltete sich aber mehr als interessant und so lernten wir weiter mehr über Flora und Fauna um nach 3 schönen Tagen wieder aufs Boot zu steigen um den nun sehr staubigen Weg weiter zu beschreiten gen El Nido…mehr als einmal haben wir bisher auf den Philippinen das Gefühl gehabt uns auf südamerikanischen oder spanischem Terrain zu befinden mit Ortsnamen wie besagten oder El Salvador, Buenavista oder Valencia, selbst durch Trinidad durften wir noch reisen, aber dazu später…El Nido glänzt nicht durch den Ort auf dem Festland an sich, sondern vielmehr durch die ihm vorgelagerten Inseln…der eigentliche Zeitvertreib besteht also aus Islandhopping…also Boot gechartert und sich mit 8 nicht englisch sprechenden Chinesen auf selbigen wieder finden…einzige Kommunikation war das Angebot von Mentholzigaretten und Zeichensprache, aber das waren wir ja durch das vorangegangene Tauchabenteuer gewohnt streicht man mal den Nikotinteil aus dem vorangegangenen Abschnitt…El Nido ist nicht mehr unberührt doch die Quantität an Qualität verteilt den Tourismus so gut…dass man manchmal doch glaubt der erste Mensch zu sein der sich diesen Sand durch die Zehen rieseln lässt an diesem Bilderbuchstrand…grundlos ist so ein Fischerdorf ja nicht innerhalb von 10 Jahren zum Touristenmagnet geworden…das ganze vor der Kulisse ekelhaft romantischer Sonnenuntergänge…egal wir müssen weiter oder vielmehr zurück, denn die Tage auf Palawan verstrichen wie im Fluge und so ginge es weiter flugtechnisch gesehen nach Bohol als letzten Punkt unserer Philippinen Rundfahrt…Bohol liegt mitten in den so genannten Visayas die Inselgruppe quasi zwischen Luzon, Palawan und Mindanao…doch zuerst landeten wir auf Cebu und mussten weiter mit dem Boot nach Tagbilaran der größten „Stadt“ auf Bohol…Bohol macht auf sich aufmerksam mit großen Postern mit komisch geformten Hügeln die als sogenannte „Chocolate Hills“ verkauft werden…wahrscheinlich treibt einen also diese süßlich, cremige und braungefärbte Assoziation auf dieses Eiland, denn gute Schokolade gibt es so selten wie Käse…unsere Unterkunft lag mitten im Urwald…von der Hauptstraße 20 minütiger Fußmarsch durch den selbigen auf einem je nach Wetterlage mehr oder minder geformten Weg um dann noch 200 Stufen hinab zu klettern…Bungalow direkt am sogenannten Lobok River und wieder eher südamerikanische Assoziationen im Kopf sahen wir uns doch schon fast an einem kleinen Arm des Amazonas…nach etwas unruhiger Nacht, denn nachts erwacht der Urwald und Geräusche ließen sich nicht eindeutig bekannten Tieren zu ordnen, schwangen wir uns auf ein geliehenes Motorbike, welches in den nächsten Tagen unser bester Begleiter werden sollte…nach kurzer Stipvisite an mehreren über den Fluß gebauten hängenden Brücken ging es weiter zum Tarsier Sanctuary…Tarsier oder auch Kobolde wecken wohl in jedem Vater- bzw. Muttergefühle…eine Prise vom Kater aus Schreck, ein wenig Gizmo der kleine Gremlin, sowie froschähnliche Tatzen und schon geht einem das Herz auf…leider können Tarsier kaum ihre übermenschlich großen Augen bewegen, dafür aber ihren Kopf fast um 360° drehen was dem ganzen nochmal einen Schwung Surrealität verpasst…einst machten sie ganz Bohol unsicher, doch genau das oben beschriebene Erscheinungsbild wurde ihnen zum Verhängnis…so wurden sie von Einheimischen gefangen und eingesperrt, um sie den Touristen zu präsentieren…heute strikt untersagt aber breit haben sie sich trotzdem nicht gemacht…noch ganz in Gedanken gefangen sollte ging es dann zum Sonnenuntergang auf den Chocolate Hills, doch 11 Kilometer vorm erreichen des Zieles verschwand die leuchtende Kugel hinterm Horizont…also früh raus am nächsten Tag um die ganze Insel zu durchqueren und die ebenso surrealen Hügel zu bewundern…die Sehnsucht nach Meer führte uns dann doch nochmal auf eine kleine durch einen Damm mit dem Festland verbundene Insel und nach erfrischendem Bad Rückkehr…abends tat uns dann jeweils der Hintern extrem weh, hatten wir doch jeden Tag gute 7 Stunden allein auf dem Motorrad verbracht…so hatten wir uns eine Pause verdient und am folgenden Tag sollte es morgens bereits um 5 Uhr zum „Whale und Dolphin-Watching“ gehen…noch etwas gerädert rauf aufs Boot und rein in den Sonnenaufgang…nach langer Suche hatten wir die Hoffnung schon fast aufgegeben als dann doch einige Delphine die Oberfläche durchbrachen…geleitet wird das ganze von ehemaligen Walfängern…so scheint das ganze Spektakel zwar auf den ersten Eindruck für philippinische Verhältnisse etwas überteuert, doch auf den zweiten Blick rettet man ja so schließlich Wale und Delphine und bietet den ehemaligen Jägern eine andere Option zur Sicherung ihres Einkommens…danach Aufenthalt auf der Bohol vorgelagerten Fischerinsel…hier schlägt der Puls nochmal deutlich langsamer…möglicherweise wurde dieser Eindruck nochmals verschärft aufgrund des sonntäglichen Aufenthaltes…so blieb Zeit für ein längeres Gespräch mit einer Filipina, welche trotz schwieriger Lebenssituation (Scheidung, 3 Kinder, keine Ausbildung, niedriges Gehalt) auf den ersten Blick zwar glücklich erscheint aber eher durch das verklärte romantisierende Auge des Touristen…so ist man doch verleitet finanzielle Unterstützung anzubieten, was die Sache für einen dann aber auch wieder zu einfach macht und Probleme nur oberflächlich löst…als Tourist denkt man häufig alle Strände, Bäume und Hügel wurden für uns so platziert und alle leben und lieben den Tourismus in einem solchen Land…doch nebenher gestalten wahrscheinlich 95 % ihren Alltag ganz anders…eigentlich logisch doch auf Reisen wird man manchmal so naiv…ich hab ja auch mal gelesen, dass man in einen zweiwöchigem Urlaub bis zu 10 IQ Punkte verliert…gar nicht auszudenken wie sich das auf einer solchen „Langzeitreise“ bemerkbar machen wird…die folgenden zwei Tage ging es wieder auf die Motorräder nun zusammen mit Alex einem weiteren Deutschen…leider platze uns auf einer Fahrt spät abends der Reifen…so dass ich mich mit dem ausgebauten Rad unterm Arm einem alkoholisierten Filipino anvertrauen musste der mich zum nächsten Vulkunazing Shop fahren sollte….während der mir lallend das Ohr abkaute, flickten andere 3 große Löcher und Rike verspeiste gemütlich Hühnerfüße die der Hunger in sie hineintrieb…Ende gut alles gut…müde ins Bett…der nächste Tag gestaltete sich etwas frustrierend…eigentlich sollte es in einen Natur-Adventure-Park gehen…doch der Weg war das Ziel und so kamen wir nach langer Suche viel zu spät an, um unverrichteter Dinge wieder zurückzukehren…nach 4 Wochen hieß es also nun Goodbye Philippinen und Welcome Singapore…neben Shopping, Sightseeing gehörte zu unserem 3 tägigen Aufenthalt auch ein Besuch der neu eröffneten Universal Studios…jetzt sitzen wir im Flugzeug gerade zwischen Sydney und Auckland…noch 30 Minuten und nach Sommer folgt bekanntlich Winter…abschließend möchten wir uns nochmal für die lange Sendepause entschuldigen…wir haben aber beide nicht die Lust verspürt zu schreiben…das hat viel damit zu tun, dass dies nun alles nach 2 Monaten kein Urlaub mehr ist, sondern im Augenblick unser Leben…Berlin ist in sehr weite Ferne gerückt…so denken wir wenig an zu Hause aber sehr viel an unsere Freunde und Familie…kompensatorisch mochte man am Anfang die Nabelschnur zur bekannten Welt nicht kappen…also sollte es wieder so lange brauchen bis zur nächsten Nachricht so wertet das als gutes Zeichen…denn unser Fernweh ist immer noch größer als unser Heimweh…



Schön, wieder was von euch zu lesen!
Da möchte man auch gleich das kalte Hamburg verlassen!
Wieder mal ein wirklich gelungener Reisebericht, Birne!
Aber mach mal ein paar Absätze rein, sonst wird man als Leser bekloppt! 😉
Passt auf euch auf! Mark
Schön etwas von euch zu hören. Kirchturmspitze ist aber auch nicht schlecht
Ihr Lieben,
das war jetzt ja wirklich fast 4 Wochen ohne Bericht, dafür nun sooo einen langen!
Freue mich sehr, dass du an Muttertag gedacht hast über facebook. Nun habe ich auch die Gelegenheit gehabt, die schönen Fotos anzuschauen.
Bis zum 8. Juni unterwegs in Sizilien sende ich euch viele liebe Küsschen Mama/Carlota