Flippininos

13 04 2010

…ich bin gerade aufgewacht, hab meine Augen aufgemacht, für einen ersten Schritt ist es nie zu spät…sorry aber wir werden zur Zeit von allen Seiten mit Vidoke der lokalen Form des Karaokes beschallt, so daß wir nur noch in Songtexten denken und schreiben können…was für ein fröhliches Pfeifen am morgen, immer ein Lied auf den Lippen und den Schalk im Nacken…we just had a clown for breakfast…kurzum, wir sind sicher auf den Philippinen und nicht wie einige noch befürchten dürften noch zwischen den Demonstranten in Bangkok…trotzdem will ich diesem Thema mal ein paar Zeilen widmen, da meiner Meinung die Berichterstattung in Europa sehr einseitig ist…vor ca. 10 Tagen sind wir nach einem bumpy busride aus Phnom Penh kommend, die Grenze überquerend mal wieder in meiner Lieblingsmetropole Bangkok gelandet…zu diesem Zeitpunkt hielten sich zwar die „Rothemden“ schon in Bangkok auf und sämtliche Shopping Malls und Mekkas waren geschlossen, wegen befürchteter Ausschreitungen, doch es waren allesamt friedliche Demonstrationen mit oben beschriebener Beschallung…sprich…man zog mit kleinen Love Parade Trekkern durch Bangkok tanzte und feierte sich selbst…natürlich wurde in typisch ostasiatischer Mentalität Blut vor dem Regierungssitz vergossen, doch bis dato ja nur symbolisch, um die Regierung und Regierungschef Abhisit zum Rücktritt zu bewegen und Neuwahlen zu initiieren…die „Rothemden“ wie ja so schön in den Medien beschrieben sind die Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin…Sie gehören der eher armen, weniger gebildeten Schicht Nordthailands an und werfen der Regierung Korruption und Mauschelei mit der elitären Rige des Landes vor…das klingt ja bis hierher alles ganz schön und romantisch, wenn sie aus freien Stücken demonstrieren würden…aber ein Großteil der „Rothemden“ wird für ihren Aufstand bezahlt, sprich für jeden Tag auf der Straße bekommen Sie ein Gehalt gesponsert durch den ehemals gestürzten Regierungschef Thaksin…dieser befindet sich im Exil in DUBAI und sitzt dort wie Dagobert in seinem Geldpanzer und hat weiterhin nur Dollars vor den Pupillen…seine Marionetten vergiessen also zu diesem Zeitpunkt ihr teuer erkauftes Blut auf Bangkoks Straßen, während sich besagter Bonze gerade in seinem Gold gefüllten Jacuzzi rekelt…natürlich mag man ja jetzt auch sagen, die Landbevölerung könnte es sich gar nicht leisten auf die Straßen Bangkoks zu gehen um für ihre Rechte zu demonstrieren…jeder Tag Gehaltsausfall, wäre für sie ein weiterer Abstieg Sprosse um Sprosse auf der Leiter ihres ungerechten Lebenszirkels…aber der Name und der Mann der hinter allem steht spricht nicht für das Gute im Lande…damit würde man einen korrupten Politiker durch den nächsten ersetzen…der ewige Teufelskreislauf…so zumindest berichtet durch Thailänder in Bangkok selbst und teilweise in Blogs und Kommentaren zu Berichten in weltweiten Medien…wir waren ja auch jungfräulich, unwissend…doch hatten wir einen sehr aufschlussreichen abend in einer netten „Beach Bar“ Nähe Khao San…so kamen wir nach leckerem Essen und einigen Drinks mit der Inhaberin ins Gespräch und bekamen so Anregung uns auch mal in die andere Richtung zu informieren…das traurige daran ist, dass ich jetzt mal dem Herren aus Dubai unterstellen mag, dass sie diesen Zeitpunkt bewusst gewählt haben, da sich der König des Landes in nicht allzu guter Verfassung befindet und aktuell wieder im Krankenhaus verweilt…würde dieser fähig sein auch nur ein Wort zu seiner Bevölkerung zu sprechen, so wäre voller Ehrfurcht das Ganze wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden beendet…aber dies ist nur eine Vermutung…so sind wir also von einem etwas älterem geschichtlichem Geschehen in ein aktuelles gerutscht…und haben diesem aber auch nach 3 Tagen zumindest physisch wieder den Rücken zugekehrt…zum Abschluß hatten wir noch einen sehr netten abend in Bangkoks Skybar…hoch oben geradezu thronend 242 Meter über Bangkok…man kann sagen wir wollten uns nochmal einen Überblick über alles verschaffen, um dann einige Stunden später die Reise fortzusetzen…doch zunächst wollte man uns gar nicht loslassen, denn ohne nachzuweisendes Ausreiseticket hätten wir philippinischen Boden gar nicht betreten dürfen…so musste Hals über Kopf noch am Flughafen von Bangkok ein Ticket gebucht werden…und so setzten wir uns gestresst und mit einem etwas mulmigen Gefühl auf unsere Plätze und mochten uns fast nicht anschnallen…sollte all dies ein Zeichen gewesen sein nicht einen Fuß in das Flugzeug und vielleicht auf philippinischen Boden zu setzen…Rike ging es zu allem Überfluß dann nicht nur psychisch, sondern auch physisch nicht allzu gut und sie haderte mit schmerzenden Gliedern und einer aufkommenden Grippe…doch kaum den Flug überstanden hatten sich sämtliche Sorgen in Luft aufgelöst und…wurden durch neue ersetzt….denn der erste Eindruck den wir in Clark (einer ehemaligen Air Base der Amerikaner in Angeles auf Luzon 2 Stunden von Manila entfernt) erhielten war überhaupt nicht paradisisch und unbeschwert…Ankunft um 4 Uhr in der Nacht, mehr oder minder komplizierter Transport zum Guesthouse, minder freundlicher Empfang mit der Auskunft man könne erst um 2 Uhr nachmittags einchecken und wenig entspannender Schlaf auf einer der Liegen am Pool um dann aufzuwachen umgeben von alten, hässlichen, weißen Männern mit dicken Bäuchen und dicken Portemonnaies neben dagegen grotest schlanken, hübschen und ebenso jungen philippinischen Frauen…Willkommen im größten Puff Südostasiens in welchem wahrscheinlich die Nachfrage zu amerikanischen Besatzungszeiten den Markt bestimmt hatte…draußen vor dem Hotel war der Eindruck auch nicht besser, so dass wir uns den ersten Tag natürlich noch etwas gerädert in unserem Zimmer verschanzten und room service zu schätzen wussten…noch nicht einmal der Pool und das sonnige Wetter konnte uns richtig hinterm Ofen herauslocken, denn bei der Vorstellung was alles in diesem Pool so schwimmt und nicht abgeschöpft werden kann, da von nicht zu beschreibener Konsistenz, oder zu kräuselig, haarig um von der Saugpumpe erwischt zu werden, ja, da verging uns jegliche Lust und vielleicht auch Mut uns in die Fluten zu stürzen…am nächsten Tag ging es dann kontrastreich weiter…denn nun erschloss sich zum ersten Mal die Naturgewalt dieses Landes…mit dem Jeep ging es zunächst auf aspaltierten Straßen gen Nordwesten, weiter auf Straßen, die sich solche gar nicht nennen dürfen, weiter durch ein mehr oder minder ausgetrocknetes Flußbett eine Mond- und Kraterlandschaft erreichend zum eigentlichen Ziel dem Mount Pinatubo…gleichzeitig Berg und Vulkan hatte er 1991 nicht leider nur die Amerikaner zu einem frühzeitigen Abzug bewegt, sondern auch vielerorts Leben und Substanz gefordert…uns zeigte er sich von seiner idyllischen Seite…und so nahmen wir nach kurzen Aufstieg ein erfrischendes Bad in den nun einladenen, türkisblauen Fluten…abends dann wieder zurück in die Realität und zur Begrüßung stürzte sich in einem dunklen Abschnitt der Straße eine Kinderhorde auf uns, die ihre Hände sehr professionell in jegliche Taschen wandern ließen….gleich mal ein Machtwort gesprochen und ohne Blessuren und Verluste im Hotel gelandet…am nächsten Tag sollte es in die Sommerresidenz der Einwohner Manilas gehen nach Baguio in den Kordilleren 1500 Metern hoch oben in den Bergen…die Fahrt dahin ließ besseres erhoffen doch der Rachen unserers Busses spie uns im nächsten Moloch aus…leider machte dieser Ort schon lange nicht mehr durch eine frische Briese von sich reden, sondern fing sämtliche Abgase der tumormässig wachsenden Stadt in sich auf…auch hier war das Gefühl auf den Straßen nicht allzu sicher, was wir aber als gute Vorbereitung auf Südamerika sahen…Ankunft abends, noch ein leckeres Dinner im Cafe by the ruins, eine nette Oase in der Wüste des Smogs und nächsten morgen Flucht weiter gen Norden…hier dreht sich das Blatt und endlich haben wir den Ort erreicht, den wir dachten hier auf den Philippinen zu finden…Sagada…ruhig und beschaulich liegt der kleine Ort in einem Tal eingefasst durch Berge in jeder Himmelsrichtung und umrahmt durch grün schimmernde Reisterassen…Unterkunft im Lemon Pie Haus, welchem seinem Namen alle Ehre erweist und uns ein zu Hause fern von dem selbigen geben kann…lachende, kontaktfreudige Leute ringsherum…und so lernen wir langsam die philippinische Mentalität verstehen und lieben…nach erholsamen Schlaf rauf die Berge, rein in die Höhlen und untergetaucht in den Reisterassen und im natürlich angelegten Pool des nächsten Wasserfalls…gestern ging es ebenso weiter, aber nun mit Guide in der Gestalt unserer gastgebenen Wirtin Bogan, die uns hoch und runter schäuchte und das meine ich wörtlich…hier kann man gar nicht atmen vor so viel Schönheit…und wir blicken nun enthusiastisch dem Fortschreiten unserer Reise entgegen…bald geht nach Palawan…und wie heißt es so schön: Wo liegt eigentlich Palawan? Oder Oh wie schön ist Palawan? Immer der Banane nach! Wir drücken euch…(PS siehe Fotos facebook)



Angkor What??

4 04 2010

…sorry für die lange Funkstille, aber irgendwie war mir auch nicht nach schreiben…vielleicht merkts ja auch keiner…kann ja nicht einsehen, wieviele Leute regelmäßig unseren Blog besuchen…daher schreibe ich auch ein wenig für mich, um das erlebte nochmal zu verarbeiten, bzw. um mit 90 in meinem Schaukelstuhl auf der Veranda meine Milch schlürfend alte Zeiten Revue passieren zu lassen…also alte Aufzeichnungen nochmals lesend…stehen geblieben waren wir ja in Siem Reap…das liegt für mich jetzt auch schon gedanklich etwas zurück…Zeit ist hier ein sehr dehnbarere Begriff…kurzum…einchecken durften wir im Golden Banana, das bisher schönste Hostel unserer Reise…Kambodscha ist komischerweise auch das bisher teuerste Land des bisherigen Trips…sogar teurer als Thailand obwohl entwicklungstechnisch hier noch einiges im argen liegt…alles wird in Dollar bezahlt und nicht mit den einheimischen Riels…das ruft in einem ersteinmal das Gefühl unterschiedlicher Preise für Einheimische und Touristen hervor, was ja irgendwie ok ist aber durch die verschiedene Währung wird nochmals so eine Barriere geschaffen…egal…erster Tag Nationalmuseum mit allen Hintergründen zu den Tempeln von Angkor und ihrer Geschichte…waren auch ehrlich gesagt noch etwas gerädert durch den vorangegangenen Trip…trotzdem hielten wir uns in den Gemäuern über 4 Stunden auf…was insgesamt eher an dem gutgemachten Museum als an unserer allgemeinen Lethargie lag…abends noch kurz auif den „alten Markt“, mehr war einfach nicht drinne…zweiter Tag wurde Angkor Wat mit einem gemieteten Drahtesel unsicher gemacht…so sind wir bestimmt an die 40 Kilometer geradelt und haben an einem Tag die meisten großen Sehenswürdigkeiten abgegrast…ich will jetzt hier nicht alle Einzelheiten breit treten, denn das sprengt nicht nur den Rahmen, sondern könnte das Gesehene nicht repräsentativ wiedergeben…irgendwie denkt man ja zu wissen was einen so erwartet…Angkor Wat ist ja fast jedem ein Begriff…doch dem ganzen mal wieder real gegenüber zu stehen…hmmm….schwierig…auf jedenfall hatten wir einen schönen Tag…das wir am ersten Tag so fleissig waren, hatte im nachhinein betrachtet auch etwas Gutes…denn am folgenden Tag lag ich dann mit Magenkrämpfen und Fieber im Bett…komischerweise hatte der Spuk aber nach 24 Stunden sein Ende…und so konnten wir am dritten Tag nochmal die Tour etwas ausdehnen…leider hatten wir nicht so gute Fahrräder, so dass wir uns für die Besichtigung eines etwas weiter entfernten Tempels ein TukTuk mieteten…lmorgens mussten wir bereits das Hotel wechseln, da für unser Zimmer eine Reservierung vorlag…abends essen beim Koreaner…Grüße an unseren koreanischen Bekanntschaften…das Essen war hervorragend…kleine komplett frittierte Fische inklusive…wussten gar nicht, dass diese auch zu den kulinarischen Delikatessen der koreanischen Küche gehören…vorallem ließsen sich diese nicht sofort identifizieren, so dass uns erst der etwas meeresfruchtige Geschmack stutzig machte…naja…jetzt haben wir noch keine Insekten gegessen, aber zumindest schon mal ganzte Fische mit Haut und Haaren, bzw mit Flossen und Schuppen…am nächsten Tag ging es dann recht luxuriös weiter nach Phnom Penh…Ankunft im Boddhi Tree Umma…recht kolonialistische das Ganze…trotzdem eine Oase in dem Moloch als das sich Phnom Penh herausstellte…irgendwie ganz anders als Siem Reap…nicht in Watte gepackt, sondern frei Schnauze gerade heraus…was vielleicht auch das Schachbrettmuster der Strassenarchitektur erklärt…als Berliner mutet das Ganze ja vielleicht ganz heimelich oder heimelig an…aber irgendwie steckte in dem Ganzen doch ein Hauch zuviel Grundaggressivität…was sich natürlich auch mit der großen Diskrepanz zwischen arm und reich erklären ließe…ein wenig zu häufig wurde man auf die Möglichkeit des TukTuk oder Moto fahrens hingewisen, zu oft starrten einem traurige Kinderaugen an, verlangten nach Geld oder Essen und zu oft musste man dies ablehnen…so zumindest instruiert von allen Seiten, um dem ewigen Kreislauf des Bettelns einhalt zu gebieten…schon geschriebn klingt das für mich arrogant und westlich übervorteilt…oder zu gutmenschlich…die Killing Fields werden einem wie ein Vergnügungspark angepriesen und so weiss man nicht recht ob der 20jährige TukTuk Fahrer denn wirklich weiss wo er uns da gerade hinfährt…kennt der die grausame Geschichte seines Landes, die ja eigentlich noch so frisch ist, dass sie an jeder Ecke noch erfahrbar ist? War der jemals im Toul Sleng, also dem „Konzentrationslager“ der roten Khmer und hat sich die Unmenschlichkeit vor Augen geführt? Da lag das schöne und das grausame dieses Landes für uns zu dicht beieinander, so dass wir irgendwie verwirrt auf Kambodscha zurückblicken…nach den ganzen Massakerbildern die einem im Hinterkopf rumspuken kann man ja schlecht sagen…schönes Land, super Urlaub…aber vielleicht nochmal aufrüttelnd und umso mehr lebensbejahend…ich wills ja kaum aussprechen, aber wir habens schon gut…am letzten Tag Phnom Penh haben wir uns dann auch noch mal ebenso lebensbejahend in ein Luxushotel geschmuggelt, den Pool genossen und die Seele baumeln lassen…ohne schlechtes Gewissen…oder doch…zumindest sitz ich jetzt hier in Bangkok…wieder nach langer und ungemütlicher Busfahrt…und bin nicht fähig das erlebte in ganzen und zusammenhängenden Sätzen wiederzugeben…zusammenfassend kann man sagen, das wir beide in den letzten 2 Wochen viel gesehen und gelernt haben…haben dabei nicht nur das Land, sondern irgenwie auch die Zeit bereist….alte Kulturen wurden ausgegraben, wir haben die Steine berührt und beschritten…haben viel über den Hinduismus und Buddhismus direkt und indirekt lernen dürfen…wissen wozu der Mensch fähig sein kann im positiven und im negativen Sinne…und wollen wiederkommen…in 2 Tagen fliegen wir auf die Philippinen…Ticket ist gebucht…mehr wissen wir nicht…und ich zitiere: Der Sinn meines Erwachsenseins besteht darin, den Träumen meiner Kindheit hinterher zu reisen…gute Nacht